Publication 6787

Attig M. (2018) Begriffsrealismus als sprachwissenschaftliches Problem: Überlegungen zur kategorialen Eigenart von Termini. [Conceptual realism as a linguistic problem: Reflections on the categorical nature of terms] In: Felder E. & Gardt A. (eds.) Wirklichkeit oder Konstruktion? Sprachtheoretische und interdisziplinäre Aspekte einer brisanten Alternative. De Gruyter, Berlin: 324–343. Fulltext at https://cepa.info/6787
Excerpt: Die hier vorgelegte Studie befasst sich mit dem Problem des Begriffsrealismus und seiner Relevanz für die linguistische Terminologieforschung. Dies heute bisweilen ein wenig stiefmütterlich behandelte Teilgebiet der Sprachwissenschaft – es wird für gewöhnlich unter die Fachsprachenforschung rubriziert – verdient in Zeiten, da jene Disziplin sowohl ihren Gegenstand als auch die sie kennzeichnenden Prozeduren der Theoriebildung in einen ideen- und kulturgeschichtlichen Zusammenhang einzurücken sucht und zudem das Bedürfnis verspürt, sich in aktuelle Debatten um die Voraussetzungen menschlicher Erkenntnis und das Wesen des Erkannten einzuschalten, wie jüngst wieder Gabriel mit seinem Paradigma des Neuen Realismus sie angestoßen hat, verstärktes Interesse: Mag sie auch nicht von vornherein als eine solche angelegt sein, so kann man der Begriffslehre gleichwohl Merkmale einer transdisziplinären Metawissenschaft attestieren, insofern sie eine Vorstellung oder zumindest eine Ahnung davon gibt, wie sich das formale Inventar, insbesondere aber die Lexik von Fachsprachen – nota bene auch der linguistischen – systematisch und analytisch stringent an ideologisch-weltanschauliche und institutionelle Kontextfaktoren rückkoppeln lässt. Zum Zweiten hat sich die linguistische Analyse von Termini bei der Bestimmung von deren gnoseologischer Funktion dem Antagonismus zwischen konstruktivistischen und (neo-)realistischen Positionen exponiert, wie er derzeit den akademischen Diskurs durchzieht und in dem der antike Universalienstreit wieder aufzuleben scheint. Auch wenn sie die Frontlinie bloß selten deutlich konturiert, so darf man doch von ihr einige Winke erwarten, wie man einen Ausgleich zwischen den gegensätzlichen Haltungen erzielen und damit ihrer wechselseitigen Bedingtheit, die für ihre jeweilige Ausformung strukturelle Bedeutung besitzt, Rechnung tragen könnte. Die Begriffswissenschaft darf so mit Blick auf die durch Polarisierung charakterisierte Diskussion, wie sie heute geführt wird und die doch einer langen, niemals abgerissenen Tradition entspringt, als eine Art Korrektiv ante rem gelten. Inwieweit und unter welchen Gesichtspunkten eine solche Einschätzung gerechtfertigt ist, sollen die nachfolgenden Überlegungen

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